Am cleveren Rivalen gescheitert

Sonntag, 5. März 2017

Erstligist Wetzikon scheidet im Playoff-Halbfinal gegen den EHC Dübendorf aus. Erneut können die Wetziker nicht von einem schwachen Start des Qualifikationssiegers profitieren.

Und plötzlich hörte man nur noch die Dübendorfer. «Finale, o-ooh» und «nie mee Wetzike» skandierten die EHCD-Fans unter den 1082 Zuschauern. Gut zehn Minuten waren am Samstag im Schlussdrittel des vierten Playoff-Finalspiels zwischen Wetzikon und Dübendorf noch zu spielen, und mitten in die hämischen Fan-Gesänge hinein versetzte Raoul Seiler dem EHCW mit dem 3:0 den Nackenschlag.

Der Treffer war vermeintlich noch nicht die definitive Entscheidung: 49 Sekunden später erzielte Jannick Bachmann im Powerplay den ersten Treffer für Wetzikon. Und hätte Oliver Bucher kurz nach Wiederbeginn seine gute Chance genutzt, wäre die Spannung definitiv in dieses Spiel zurückgekehrt. «Das Momentum hätte kippen können», sagte EHCW-Trainer Roger Keller. Doch dann kassierte ebendieser Bucher eine Strafe, was für Keller «die Energie aus dem Spiel nahm».

Vielleicht war die Wetziker Niederlage am Samstag auch eine Frage der Energie. «Sie hatten neun Spiele in Folge. Irgendwann war bei ihnen wohl auch die Luft draussen», mutmasste Dübendorfs Sportchef Urs Wüst. «Es war wichtig, dass wir ihnen nicht neues Leben einhauchten.» Die Glattaler jedenfalls kamen nicht mehr in Bedrängnis - auch, weil sie ihren Vorsprung im Schlussdrittel abgeklärt verwalteten und dank einem Ablenker von Steven Widmer (57.) gar noch ausbauten.

Dass Dübendorf mit zwei Toren im zweiten Drittel überhaupt auf die Siegesstrasse einbiegen konnte, lag insbesondere auch an ihrem Torhüter Remo Trüb. Vor allem er war dafür verantwortlich, dass ein erneut schwacher Start des Qualifikationssiegers von Wetzikon nicht ausgenutzt wurde. «Remo hat uns im Spiel gehalten. Wir sind im ersten Drittel mit mehr als einem blauen Auge davongekommen», sagte EHCD-Trainer Andrea Cahenzli.

Trüb und die Wellen

EHCW-Coach Keller trauerte den verpassten Chancen aus dem Startdrittel denn auch nach. «Wir müssten dort ein bis zwei Tore erzielen, um das Spiel in den Griff zu bekommen.»

Chancen dazu hatte der EHCW zuhauf, 10:4 lautete das Schussverhältnis zugunsten des Heimteams nach den ersten 20 Minuten. Yvan Hofmann in der 3. Minute im Powerplay, Alain Butty per Slapshot und Brent Buchmüller gleich zweimal - in einer Wetziker Druckphase (14.) und in Unterzahl (18.), als er allein auf Trüb loszog, im EHCD-Keeper aber seinen Bezwinger fand. «Mir gelang ein gutes Spiel», sagte Trüb hernach, «ich fand rasch hinein und konnte mich gut konzentrieren. Wetzikon fuhr Welle um Welle. Ich bin froh, wenn ich nicht zu viel Zeit habe zu überlegen.»

Doch diese Wellen verebbten, obwohl für Keller «die ersten 30 Minuten uns gehörten». In der 28. Minute schoss Marvin Alena den EHCD in Front - ein wenig zwingendes Tor, bei dem die Wetziker allerdings zu weit weg vom Gegner waren. «Das raubte uns die Energie», analysierte Keller. Statt einen Zacken zuzulegen, wirkte der EHCW bereits konsterniert, während sich Dübendorf steigerte. Und es gab in Wetziker Kreisen schlicht zu wenige Spieler, die auf dem Eis auch physisch Präsenz markierten.

Womöglich war auch dieser Mangel ausschlaggebend. André Böhlen, der abtretende Sportchef der 1. Mannschaft des EHC Wetzikon, sagte: «Die Intensität und die Rivalität fehlten. Wir waren zu verhalten in den Zweikämpfen, haben viel Energie in das Forechecking investiert, aber dann abgebremst.» Den Grund dafür glaubt Böhlen zu kennen: «Unsere Jungs gehen mit den Dübendorfern zu kollegial um.» Man kennt sich - teils aus Juniorenzeiten - schlicht zu gut. Ein Punkt, mit dem die Dübendorfer ganz offensichtlich besser umgehen konnten. «Sie waren cleverer und arroganter», sagt Böhlen.

Künzlis wacher Reflex

Davon abgesehen machte in dieser Serie aber das Powerplay den Unterschied - auch am Samstag. Die Dübendorfer waren in Überzahl klar gefährlicher als Wetzikon. Das wichtige 2:0 (38.) erzielte erneut die EHCD-Paradeformation. Diesmal war Ken Künzli der Vollstrecker. Er reagierte blitzschnell, als EHCW-Keeper Simon Scherrer einen Schuss von Dennis Barts abprallen liess.

«Unser Powerplay und unser Boxplay war der Keypoint in dieser Serie», urteilte denn auch EHCD-Coach Cahenzli. Die Statistik belegt dies: 27 Prozent betrug die Dübendorfer Erfolgsquote im Powerplay in dieser Halbfinalserie, die Wetziker kamen auf 19 Prozent.

Die Geschichte wiederholt sich also nicht: Anders als in der letzten Playoff-Serie zwischen den beiden regionalen Rivalen (Viertelfinal 2000/2001) setzte sich diesmal der Favorit durch. Statt wie im Viertelfinal gegen Chur nach einem 1:2-Rückstand die Serie noch zu drehen, scheiden die Wetziker im Derby-Halbfinal in vier Spielen aus.

«Die Serie verlief so, wie ich es mir gedacht hatte: verdammt knapp», sagte Cahenzli. «Der Unterschied zwischen diesen beiden Teams ist nicht gross.» Auch Keller fand: «Wir haben sie gefordert und waren immer nahe dran. Am Ende fehlte das letzte Quäntchen, um Dübendorf in die Knie zu zwingen.» Für Böhlen war «der EHC Dübendorf wie Bayern München. Der Puck rutscht zu ihren Gunsten. Ich habe nicht das Gefühl, dass wir nicht ebenbürtig waren.»

Text: Zürcher Oberländer
Bilder: Christian Merz

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