Leidenschaft statt Silbertablett

Samstag, 4. März 2017

Dübendorf will heute in Wetzikon den ersten Matchpuck zum Finaleinzug nutzen. Die Wetziker haben aber bereits in der Serie gegen Chur gezeigt, dass sie mit diesem Druck umgehen können.

Erst je ein klarer und verdienter Erfolg für Wetzikon und Dübendorf, am Donnerstag nun ein enges Spiel mit dem EHCD als Sieger, der auch Glück in Anspruch nahm: Die Derby-Halbfinalserie im Erstliga-Playoff hielt bisher, was die Affiche versprochen hatte. «Es sind intensive Spiele», sagt denn auch Andreas Bührer, «am Donnerstag war es ein Hin und Her, teils wie Pingpong. Das ist fürs Publikum doch toll.»

Am Donnerstag war es Bührer, der die 856 Zuschauer - respektive einen Teil davon - in Dübendorf verzückte. Sein Gamewinner im Powerplay zum 2:1 in der 26. Minute war in Entstehung und Vollendung ein Augenschmaus - ein Tor, wie es in dieser Liga wohl nur die EHCD-Paradelinie zustande bringt. «Wir haben einige einstudierte Varianten», sagt Bührer dazu nur.

Das Powerplay machte im dritten Spiel den Unterschied zugunsten Dübendorfs aus, da waren sich alle einig. Doch es ist nicht so, dass die Wetziker in Überzahl schlechter agiert hätten - ihren Führungstreffer erzielten sie auch mit einem Mann mehr auf dem Eis. Sie schafften es aber trotz teils grossem Druck nicht, ein weiteres PowerplayTor zu erzwingen. EHCW-Trainer Roger Keller versuchte dies mit dem berühmten «letzten Zwick, der fehlte» zu erklären - den nötigen Willen hatte seine Equipe auf jeden Fall gezeigt.

Zwar liegt unterdessen mit Qualifikationssieger Dübendorf der Favorit in dieser Serie in Front - doch heissen will das noch überhaupt nichts. «Wir werden den Dübendorfern den letzten Sieg sicher nicht auf dem Silbertablett präsentieren», sagt Keller. Er benutzt dieser Tage gerne den Satz: «In den Playoffs geht es darum, das letzte Spiel zu gewinnen.»

Dass die Wetziker fähig sind, eine Serie zu drehen, zeigten sie bereits im Viertelfinal gegen Chur, als sie in der «Belle» in den Schlussminuten aus einem 1:2-Rückstand einen 3:2-Sieg machten. Keller mag auch daran gedacht haben, als er sagte: «Es ist so viel Herz und Leidenschaft in dieser Mannschaft, dass vieles möglich ist.»

Mit dem Messer am Hals

Die Frage ist nun, auf welche Mittel die Wetziker heute zurückgreifen, wenn sie vor heimischem Publikum quasi mit dem Messer am Hals agieren. «Sie werden sicher alles probieren. Wir müssen es einfach halten und unser schnelles Spiel spielen», sagt Bührer. Er erwartet eine noch intensivere Partie.

Und es würde nicht verwundern, wenn die von kleinen Scharmützeln abgesehen bisher ziemlich fair geführte Serie nun hitziger würde. Denn in Sachen Härte kamen die bisherigen drei Partien noch nicht an das Derby in der entscheidenden Runde der Cup-Qualifikation vom 8. Februar heran. Damals verloren die Wetziker eine enge, intensive und hart geführte Partie 2:4. Sie zeigten aber, dass sie im entscheidenden Moment, wenn es um alles oder nichts geht, bereit sind. Bereit auch, an die eigenen Grenzen zu gehen.

Bereit waren die Dübendorfer in dieser Serie bisher nur teilweise. Am Samstag überhaupt nicht, am Dienstag ab der ersten Sekunde, am Donnerstag mit Verzögerung im Laufe des ersten Drittels. «Ein guter Start ist sehr wichtig», sagt Bührer, «zwei, drei gelungene Pässe geben Sicherheit.» Das kann gerade in dieser Serie, in der es um Details geht, entscheidend sein. Auch diesbezüglich hatte Dübendorf am Donnerstag Glück, dass die Wetziker in den Startminuten zwar Präsenz markierten, aber nicht schon früh in Front gingen.

Eine Frage des Willens

«Der Einsatz muss von der ersten Sekunde an stimmen», sagt Bührer. Ob das Dübendorfer Bewusstsein dafür nach einer engen Partie grösser ist als nach einem klaren Erfolg, wird sich heute weisen. Der letzte Sieg sei immer der schwierigste, lautet eine beliebte Playoff-Floskel. Für Bührer ist er nicht eine Frage der Kraftreserven, sondern des Willens: «Denn mit Willen kann man Energie freisetzen.»

Text: Zürcher Oberländer
Bild: Christian Merz

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